animal hoarding
Manche Menschen sammeln krankhaft Gegenstände, andere Tiere. Animal Hoarder – zu deutsch Tierhorter oder Tiersammler, konzentrieren ihre zwanghafte Leidenschaft vorzugsweise auf Katzen und Hunde. Immer mehr Tiere werden aufgenommen und unter katastrophalen Bedingungen häufig in Wohnungen und Häusern gehalten. Sie vermehren sich unkontrolliert, eine tierärztliche Betreuung findet in der Regel nicht statt, das ganze Leben gerät aus den Fugen. Aus Tierliebe wird Tierquälerei.
In den USA schon längst erkannt und beschrieben, ist Animal Hoarding als Krankheitsbild in Deutschland nach wie vor weitgehend unbekannt. Einer US- amerikanischen Studie zu Folge mutieren vorrangig allein stehende, sozial isolierte Menschen über 50 Jahre zu Animal Hoardern. Auch in Deutschland nehmen die Fälle krankhaften Tiersammelns dramatisch zu. Die zuständigen Ordnungs- und Veterinärämter sind allerdings häufig mit den Massen von angesammelten Tieren überfordert.
Wir informieren über die Hintergründe und unterschiedlichen Ausprägungen des Animal Hoarding anhand konkreter Fälle, mit denen aktion tier in den letzten Jahren zu tun hatte. Wir beleuchten die Rechtsgrundlagen, die Stellung der zuständigen Behörden und - neben dem Tierschutzaspekt - auch die menschlichen Tragödien, die hinter jedem Animal Hoarding- Fall stecken.
Mai 2006: in Liebenwalde bei Berlin werden 231 verwahrloste Hunde beschlagnahmt. Das Gelände ist komplett vermüllt, es stinkt nach Kot und Urin. Ein typischer Fall von „Animal Hoarding“, dem Sammeln von Tieren. Manche Menschen sammeln krankhaft Gegenstände, andere Tiere. „Animal Hoarder“, zu deutsch Tierhorter oder Tiersammler, konzentrieren ihre zwanghafte Leidenschaft vorzugsweise auf Katzen und Hunde. Immer mehr Tiere werden aufgenommen und unter katastrophalen Bedingungen häufig in Wohnungen und Häusern gehalten. Sie vermehren sich unkontrolliert, eine tierärztliche Betreuung findet nicht statt.
Ein Bericht von Ursula Bauer, aktion tier-Geschäftsstelle Berlin
Ein Bericht von Ursula Bauer, aktion tier-Geschäftsstelle Berlin
Diese Krankheit kann in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten. Mal handelt es sich um echte Tierfreunde, die zuerst aus Mitleid Tiere aufnehmen und häufig nicht „nein“ sagen können. Aus ihrer Unfähigkeit heraus, rechtzeitig die Bremse zu ziehen, wächst ihnen die Tierhaltung schließlich über den Kopf. Sie lassen den Dingen ihren Lauf und drücken sich nicht selten vor der Verantwortung, indem sie schließlich einfach verschwinden und die Tiere sich selbst überlassen. Daneben gibt es auch den aktiven Sammler, der von der zwanghaften Überzeugung geleitet wird, dass er Tiere retten muss, da sie es nur bei ihm gut haben. Schließlich können jedoch auch Züchter, die Tiere aus kommerziellen Gründen vermehren, zu Animal Hoardern werden. Kommt es beispielsweise zu länger andauernden Absatzschwierigkeiten der „Ware Hund“, kann auch hier bei entsprechender Veranlagung die Krankheit ausbrechen und die Tierhaltung in kurzer Zeit ausufern.Eine Mitschuld tragen immer auch Menschen, die dankbar sind, in den Animal Hoardern jemanden gefunden zu haben, der ohne zu fragen und ohne Limit Tiere bei sich aufnimmt. Seien es Amtstierärzte, die Fundtiere unterbringen wollen, Privatpersonen, die ihre Tiere loswerden möchten oder Tierschützer, die die gefundene „Pflegestelle“ regelmäßig mit „Notfällen“ beliefern. Aus Unkenntnis, Desinteresse oder purem Egoismus werden so die kranken Tiersammler gedeckt oder gar noch in ihrem suchtähnlichen Handeln unterstützt.
Der Übergang vom Tierfreund zum krankhaften Tiersammler vollzieht sich meist schleichend und für Außenstehende oft unbemerkt. Dabei nehmen auch in Deutschland die Fälle von Animal Hoarding drastisch zu. Schon beim geringsten Anzeichen eines maßlosen Anhäufens von Tieren sollten daher Nachbarn und Mitmenschen sofort die Behörden einschalten. Veterinär-, Ordnungs- und Gesundheitsämter sind gefordert, sich über die Krankheit zu informieren und beherzt und vor allem rechtzeitig einzugreifen. Dass die Behörden in Liebenwalde seit Jahren von den Zuständen wussten und der Veterinär einige Tage vor der Räumung dem Bestand einen „guten Gesundheitszustand“ attestiert hatte, ist skandalös und sollte sich nicht wiederholen.Das Tierschutzgesetz liefert genug Möglichkeiten, Tiersammlern das Handwerk zu legen. Die häufig praktizierte amtliche Bestandsreduzierung hat jedoch in der Regel nur vorrübergehenden Effekt, da die Kranken sofort neue Tiere sammeln, so dass die alten Zustände schnell wieder hergestellt sind. Auch ein Tierhalteverbot ist nur dann sinnvoll, wenn es mit einem Tierumgangsverbot gekoppelt ist. Im Falle Liebenwalde wurde ein Tierhalteverbot ohne Tierumgangsverbot ausgesprochen, was zur Folge hatte, dass die Hoarderin bald wieder zehn Hunde hatte, die offiziell „einer Freundin“ gehören sollen. Es scheint also absehbar, wann die nächsten 200 kranken und gestörten Hunde auf dem Gelände beschlagnahmt werden müssen.
Hinter Animal Hoarding steckt immer auch eine menschliche Tragödie und es bleibt zu hoffen, dass die Krankheit bald therapier- und heilbar ist. Animal Hoarding bedeutet jedoch auch Tierquälerei. Daher muss alles getan werden, um die Tiere vor diesen kranken Menschen zu schützen.
Bilder: ©Kai Horstmann