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Herzerkrankungen bei Tieren – Über den Motor des Körpers

Egal, ob Hund, Katze oder Kaninchen, ihnen allen ist gemein, dass in ihrem Innern ein lebenswichtiges Organ schlägt: das Herz. Es pumpt Blut in alle Körperteile und sorgt so dafür, dass alle Körperzellen mit Sauerstoff und Energie versorgt werden. Ohne das Herz läuft im wahrsten Sinne des Wortes nichts. Umso wichtiger ist es, dass es reibungslos funktioniert. Und das tut es ja auch glücklicherweise meistens. Doch weil es so wichtig ist, muss – wenn der Motor ausnahmsweise mal ins Stottern gerät – diese Funktionseinschränkung möglichst bald erkannt und sofort gegengesteuert werden.

Main-Coone-Katzen leiden öfter an Herzerkrankungen.
Main-Coone-Katzen leiden öfter an Herzerkrankungen. Foto: VBlock/Pixabay

Wie macht sich eine Krankheit am Herzen bemerkbar?

Analog zum Zweibeiner kann ein erstes Symptom Mattheit sein. Der Hund fetzt nicht mehr wie eh und je über die Wiese, beim Joggen kommt er nicht wie sonst locker hinterher. Die Katze braucht nach wildem Spiel erst einmal eine Pause und atmet in der Erholungsphase womöglich mit offenem Maul. Insgesamt lässt die Aktivität der Tiere nach, die Bewegungslust nimmt merklich ab. Nach längeren Ruhephasen steht der Vierbeiner auf und hustet erst einmal ein bisschen. Gleiches kann passieren, wenn Herrchen oder Frauchen nach Hause kommen und die Fellnase sich überbordend freut. Auch dann kann sie im Freudentaumel auf einmal abrupt innehalten und sich räuspern. Manchmal klingt es auch wie ein Würgen, als hätte das Tier etwas im Hals stecken. Beim Husten kann ein bisschen schleimiger Auswurf auf dem Boden landen.

Wer hat ein besonders hohes Risiko, am Herzen zu erkranken?

Betagte Tiere sind häufiger betroffen als junge, da sich manche Herzerkrankungen erst im fortgeschrittenen Alter entwickeln. Übergewichtige Hunde und Katzen sind eher gefährdet, Probleme mit dem Herzen zu bekommen. Darüber hinaus gibt es bestimmte Rassen, bei denen Herzkrankheiten vermehrt auftreten. Hierzu gehören Britisch Kurzhaarkatzen, Dobermänner, Maine-Coon-Katzen oder auch Cavalier King Charles Spaniel, um nur einige zu nennen. Allerdings gibt es manche Defekte, mit denen die Welpen schon auf die Welt kommen. Sie sind also angeboren. Die betroffenen Jungtiere entwickeln sich nicht richtig und sind weniger aktiv als ihre Geschwister.

Beim Herzultraschall.
Beim Herzultraschall. Foto: © Dr. Tina Hölscher, aktion tier

Und was genau funktioniert am Herzen nicht?

Tiere sind auch nur Menschen, könnte man meinen, wenn man sich die häufigsten Herzerkrankungen der Vierbeiner genauer ansieht. Von angeborenen Löchern in der Herzwand über krankhafte Erweiterungen des Herzens bis hin zu Undichtigkeiten einzelner Herzklappen sind alle Herzkrankheiten vertreten, die auch beim Menschen häufig vorkommen. Sie haben komplizierte Namen wie Ventrikelseptumdefekt, dilatative Kardiomyopathie oder Mitralklappeninsuffizienz. Allen gemein ist, dass sie es dem Herzen verunmöglichen, seine Pumpleistung in vollem Umfang zu verrichten. Es kommt zum Rückstau, der Körper wird nicht mehr mit sauerstoffreichem Blut versorgt, wie es beim gesunden Tier sein sollte. Daher wird der Patient matt und leistungsinsuffizient. Die Medikamente, die nun zur Therapie zum Einsatz kommen, ähneln in ihrer Wirkung denen der humanen Präparate. Sie senken den Blutdruck, steigern die Fähigkeit des Herzens, sich zusammenzuziehen, und helfen damit dem Herzen, seine Pumpfunktion weitgehend aufrechtzuerhalten.

Woher weiß ich, welche Herzkrankheit mein Tier hat und wie ich ihm helfen kann?

Fallen einem Tierbesitzer eines oder mehrere der oben gelisteten Symptome auf, muss der nächste Weg zum Tierarzt führen. Durch Auskultation, also das Abhören mittels des Stethoskops, kann dieser feststellen, ob sich das Herz gesund anhört oder ob Auffälligkeiten vorhanden sind. Zudem gibt eine Blutuntersuchung weitere Hinweise, ob Parameter, die das Herz betreffen, physiologisch oder im besorgniserregenden Bereich sind. Das Anfertigen von Röntgenbildern ermöglicht es, die Größe und Lage des Herzens in der Brust zu erörtern. Unschlagbar und Mittel der Wahl, um eine Herzerkrankung eindeutig zu diagnostizieren und den Schweregrad einordnen zu können, ist jedoch die Ultraschalluntersuchung, eventuell gepaart mit einem EKG. Mit ihrer Hilfe kann die Krankheit zweifelsfrei diagnostiziert und damit auch das richtige Therapeutikum gefunden werden.

Wie geht es weiter?

Wird eine Herzerkrankung früh genug festgestellt, kann der Verlauf oft deutlich hinausgezögert werden. Mit der richtigen Medikation gewinnt das Tier im besten Fall mehrere Jahre Lebenszeit. Das Fortschreiten wird damit zwar nicht gänzlich verhindert, aber oft sehr lange hinausgezögert.

Ein richtig guter Marker, um eine behandlungsbedürftige Herzerkrankung als Laie zu erkennen, ist die Ruheatemfrequenz. Hierzu sollten die Atemzüge des Tieres pro Minute bei tiefer Entspannung, beispielsweise im Schlaf, gezählt werden. Ein Atemzug besteht aus einer Ein- und einer Ausatmung. Dabei hebt und senkt sich der Brustkorb. Dieser Zyklus wird als ein Atemzug gewertet. Am leichtesten tut man sich, wenn man jeweils nur das Heben des Brustkorbes zählt, dann kommt man nicht durcheinander. Die Ruheatemfrequenz bei gesunden Hunden liegt unter 25, bei Katzen unter 30 Atemzügen pro Minute.

Dr. med. vet. Tina Hölscher

Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.